Ohren reinigen? Macht das Ohrenschmalz ganz alleine!

Gelblich-orange, bisweilen mit einem zarten Hauch von Grün hängt es in der Ohrmuschel: Das Ohrenschmalz ist kein angenehmer Anblick. Es soll für Erkrankungen verantwortlich sein, das Hören erschweren und unbedingt entfernt werden. Wirklich? Ohren reinigen ist wichtig – aber innen erledigt das das Ohrenschmalz selbst.




1. Was ist Ohrenschmalz - Cerumen?

Es ist schmierig bis wachsartig, bei Körpertemperatur weich und bei kühleren Temperaturen recht hart – Ohrenschmalz wird manchmal auch als Wachs bezeichnet. Das ist aber nicht überall auf der Welt so. In Asien ist eine genetische Mutation dafür verantwortlich, dass ein Teil der Menschen ein trockene, graue Masse produziert. Der Schmutz in den Ohren wirkt in diesem Fall staubig und trocken. Bei Menschen aus Europa und Afrika dagegen ist das Ohrenschmalz eigentlich immer wachsartig weich und gelblich bis leicht braun gefärbt.

Das Ohrenschmalz oder sogenannte Cerumen wird innen im Ohr produziert. Für diejenigen, die es ganz genau wissen wollen: Die sogenannten Ohrenschmalzdrüsen (medizinisch als Glandulae cerminosae bezeichnet) befinden sich im vorderen Gehörgang. Es handelt sich dabei um leicht veränderte Schweißdrüsen. Wenn wir kauen oder mit dem Kiefer kauende Bewegungen machen, transportieren wir das Ohrenschmalz durch den Gehörgang nach außen. Erst hier, am äußeren Rand des Gehörgangs und in der Ohrmuschel, wir des wirklich sichtbar.

2. Ohren sind selbstreinigend

Das Ohrenschmalz ist leicht klebrig. Auf seinem Weg durch den Gehörgang sammelt die weiche Masse abgestorbene Hautpartikel, Staub und andere Fremdkörper ein, die nicht in das Ohr gehören und den Gehörgang leicht verstopfen könnten. Auch Bakterien und andere Erreger werden von der klebrigen Masse einfach eingesammelt und nach draußen befördert. Und das funktioniert wirklich gut, denn Ohrenschmalz ist sogar leicht antibakteriell! Ohrenschmalz ist also so etwas wie das Reinigungsgel der Ohren. Es erfüllt damit eine sehr wichtige Funktion.

Problematisch wird es erst, wenn das Ohrenschmalz nicht mehr nach außen gelangt. Bleibt es im Gehörgang sitzen und verklumpt dort, kann das die Hörfähigkeit beeinträchtigen. Solange man der Natur ihren Lauf lässt, kommt das eher selten vor – kann aber bisweilen passieren. Dann braucht das Ohr Hilfe bei der Reinigung. Grundsätzlich muss man sich übrigens keinerlei Gedanken in Hinblick auf das Tragen von Ohrenstöpseln machen. Der Selbstreinigungsprozess des Ohres wird durch Gehörschutzstöpsel nicht beeinflusst.

3. Was passiert, wenn man Ohrenschmalz nicht entfernen kann?

Zuerst einmal sollte man wissen: Ohrenschmalz darf im Gehörgang sein. Mit kauenden Bewegungen kann es ganz natürlich nach außen befördert werden. Zeigt sich die gelbliche Masse in der Ohrmuschel, kann sie dort mit einem Wattebausch, einem Taschentuch oder eine Wattestäbchen entfernt werden. Wichtig ist, dass das Wattestäbchen nie in den Gehörgang eingeführt wird.

Der Gehörgang ist nur am äußeren Ende offen. Er ist sehr eng und führt direkt zum Trommelfell, das den Gang innen begrenzt. Das Trommelfell ist empfindlich. Wattestäbchen sind nur minimal schmaler als der Gehörgang. Wird ein Wattestäbchen in den Gehörgang eingeführt, schiebt es das wachsartige, oft nicht ganz flüssige Ohrenschmalz weiter hinein. Gleichzeitig nimmt die Watte Flüssigkeit auf, das Ohrenschmalz wird dabei also etwas trockener. Mit etwas Pech stoppt erst das Trommelfell den nach innen geschobenen Pfropfen – und nimmt Schaden.

Ein beschädigtes Trommelfell ist ein gesundheitliches Risiko und beeinträchtigt das Hörvermögen. Aber auch dann, wenn das Trommelfell heile bleibt, sitzt der dicke Klumpen Ohrenschmalz immer noch direkt vor dem Trommelfell. Schallwellen kommen durch die gummiartige Masse kaum hindurch. Die Hörfähigkeit ist eingeschränkt.

4. Warum Wattestäbchen im Inneren des Ohres nichts zu suchen haben

Wattestäbchen haben innen im Ohr nichts zu suchen! Sie können genutzt werden, um Ohrenschmalz aus der Ohrmuschel oder aus dem Eingang zum Gehörgang zu entfernen. Aber sie dürfen nicht in den Gehörgang eingeführt werden.

Aus welchen Substanzen genau Ohrenschmalz besteht, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Es sind mehr als 1.000 unterschiedliche Substanzen. Dabei sind antibakterielle Wirkstoffe und mehr. Entfernen wir das Ohrenschmalz vollständig, sind unsere Ohren Ihres Schutzes beraubt: Durch den Gehörgang können Erreger in den Körper eindringen und Krankheiten verursachen. Die Mittelohrentzündung ist so eine Erkrankung, die auf eine Infektion von außen zurückgeführt wird. Die Mittelohrentzündung wird nicht von Ohrenschmalz ausgelöst, sondern von Erregern, die ins Ohr eindringen.

5. Viel Ohrenschmalz oder wenig Ohrenschmalz | Der Körper produziert soviel er braucht

Es gibt keine Norm, wie viel Ohrenschmalz ein Mensch in welchem Alter oder bei welchem Lebensstil produzieren sollte. Die Menge der gelben Masse, die ein Ohr pro Tag ausgibt, ist schlicht individuell verschieden. Das bedeutet aber auch: „Zu wenig“ oder „zu viel“ gibt es nicht. Das Sekret ist einfach wichtig und reinigt das Ohr, auch wenn es mal mehr und mal weniger ist.

Auch viel Ohrenschmalz kann in der Regel vom Körper selbst abtransportiert werden. Sollte das doch einmal nicht passieren und das Ohr verstopfen, ist das Ohrenschmalz in der Regel sehr fest. Es wird also erst einmal Flüssigkeit benötigt, um die feste Masse etwas weich zu bekommen.

6. Wie bekomme ich festsitzendes Ohrenschmalz heraus?

Manchmal sitzt das Ohrenschmalz fest und will einfach nicht aus dem Ohr heraus kommen. In diesem Fall hilft nur Flüssigkeit. Das Ohr muss also gespült werden. Wenn der Hausarzt oder der zuständige HNO-Arzt die Frage „Wie bekomme ich festsitzendes Ohrenschmalz raus?“ hört, geht meist erst einmal der Blutdruck hoch: Die meisten Menschen popeln mit dem Wattestäbchen tief im Ohr herum und verdichten das Ohrenschmalz, so dass es erst recht nicht aus dem Ohr herauskommt.

Viel effektiver ist eine Spülung des Ohrs. Das kann entweder beim Arzt passieren, oder man macht das zu Hause selbst. Die einfachste Methode ist eine lauwarme Dusche: Einfach beim Haarewaschen oder Duschen etwas handwarmes Wasser durch die Ohrmuschel und bis in den Gehörgang laufen lassen. Nach dem Duschen wird das Wasser mitsamt dem nun schön flüssigen Ohrenschmalz ins Waschbecken oder in die Duschwanne geschüttelt. Die Ohrmuschel sollte dann noch mit einem weichen Tuch ausgewischt werden – fertig.

Wichtig ist, dass kein heißes Wasser zum Ausspülen des Ohrs verwendet wird. Denn heißes Wasser würde das Gleichgewichtsorgan im Ohr beschädigen. Außerdem ist das Ohr innen auch bei den Warmduschern und Warmduscherinnen viel empfindlicher gegenüber hohen Temperaturen als die Haut an anderen Körperstellen.

7. Wie kann ich mein Ohr saubermachen, wenn es verstopft ist?

Ist das Ohr verstopft, empfehlen wir zuerst ein warmes Bad. In der Badewanne darf der Kopf immer mal wieder unter Wasser kommen, damit das Wasser auch in die Ohren eindringt. Wer gerne gemütlich länger in der Badewanne liegt, darf sich auch etwas zu essen mitnehmen: Kaubewegungen helfen, das Ohrenschmalz und das Wasser im Gehörgang nach außen zu transportieren. Und so eine Schale Kekse schmeckt in der Badewanne einfach besser als leere Kaubewegungen zu machen …

Nach dem Baden werden die Ohren gründlich getrocknet. Mit einem Taschentuch, einem Wattestäbchen oder einem Wattebausch sollte die gesamte Ohrmuschel getrocknet werden.

Ist das Ohr immer noch verstopft, hilft vielleicht ein Spray oder eine Ohrenspüllösung aus der Apotheke. Diese Präparate sind speziell dafür entwickelt worden, hartnäckige Verschmutzungen aus den Ohren zu entfernen. Wie genau die Produkte angewendet werden, steht in der Packungsbeilage. Bitte auch hier immer vorsichtig vorgehen, damit das empfindliche Trommelfell nicht verletzt wird!

Wenn alles nicht hilft: Arzt

Viele Hausärzte, aber vor allem die fachlich spezialisierten HNO-Ärzte führen professionelle Ohrenspülungen durch. Wenn Dusche und Badewanne nichts helfen, ist der Gang zum Arzt unausweichlich. HNO steht für Hals-Nasen-Ohren – der HNO-Arzt ist also sozusagen der Experte für festsitzendes Ohrenschmalz. Mit unzureichender Körperhygiene hat das übrigens nichts zu tun. Es muss also niemandem peinlich sein, sich die Ohren beim Arzt oder einer Ärztin reinigen zu lassen. Abhängig von Lebensführung, Umweltbedingungen, Ernährungsgewohnheiten und vielen anderen Umständen kann es bei jedem Menschen hin und wieder zu festsitzenden Verstopfungen in den Ohren kommen. Neu ist das Phänomen nicht, schon vor 50 Jahren mussten sich ungehorsame Kinder die Aufforderung zum Ohrenwaschen gefallen lassen …

Wie oft sollte man sich die Ohren ausspülen lassen?

Es gibt kein festes Intervall, das bei der professionellen Reinigung der Ohren durch einen HNO-Arzt oder eine HNO-Ärztin beachtet werden müsste. Körperhygiene funktioniert nach Bedarf: Die Ohrenspülung ist immer dann nötig, wenn das Ohr verstopft ist. Manche Menschen brauchen ihr gesamtes Leben lang keine Ohrspülung, bei anderen ist das alle paar Monate nötig, und wieder andere Menschen suchen in unregelmäßigen Abständen nach jeweils ein paar Jahren oder gar Jahrzehnten den HNO-Arzt oder die HNO-Ärztin auf.

Der Arzt benutzt übrigens andere Utensilien als das, was für die Ohrenreinigung zu Hause verwendet wird. Die Verschmutzungen werden nach einer ersten Kontrolle des Trommelfells mit Ohrentropfen aufgelöst. Anschließend wird eine Metall- oder Kunststoffspritze mit körperwarmem Wasser gefüllt, damit werden die Ohren ausgefüllt. Danach werden Gehörgang und Trommelfell noch einmal auf Verletzungen überprüft. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für die Ohrenreinigung beim HNO-Arzt.

8. Professionelle Ohrspülung – kann man die Ohren selber spülen?

Natürlich kann man die Ohren auch selber spülen. Die einfachste Methode ist, wie oben beschrieben, einfach einmal länger in der Badewanne zu chillen. In Apotheken und Drogeriemärkten werden allerdings auch Ballonspritzen für eine intensivere Ohrenreinigung verkauft. Die Spritze wird gereinigt, mit warmem Wasser gefüllt und dann vorsichtig bei seitlich gelegtem Kopf in den Gehörgang entleert. Das darf aber nicht mit viel Druck passieren, denn dabei könnte das Trommelfell verletzt werden.

Ist das Wasser im Ohr, muss es auch wieder heraus. Dafür legt man den Kopf über das Waschbecken und neigt ihn so, dass das Wasser einfach herauslaufen kann. An der Farbe erkennt man meist schon, ob die Ohrspülung erfolgreich war. Sitzt nach der Reinigung immer noch Ohrenschmalz fest, kann der Vorgang beliebig oft wiederholt werden.

Ohren selbst spülen mit Hausmitteln

Kann man die Ohren selber spülen? Natürlich funktioniert das. Aber manchmal ist lauwarmes Wasser einfach nicht genug. Einige Hausmittel können etwas länger im Gehörgang verbleiben und das Ohrenschmalz in aller Ruhe auflösen. Die jeweils kleinen Mengen Flüssigkeit werden mit einer Pipette in das Ohr geträufelt und wirken dort ungefähr so wie die Ohrentropfen, die in der HNO-Praxis zum Einsatz kommen.

Sehr gute Dienste leistet beispielsweise eine lauwarme Salzlösung. Dazu wird ein Teelöffel Salz (Speisesalz aus der Küche) in 100 Milliliter lauwarmem Wasser gelöst. Das Salzwasser darf etwa eine Viertelstunde einwirken, bevor es aus dem Ohr herauslaufen sollte.

Handwarmes Mandelöl oder Olivenöl kann genauso verwendet werden. Allerdings reicht es beim Öl oft aus, wenn es für fünf Minuten im Gehörgang einwirkt. Hartnäckiges Ohrenschmalz darf aber auch über Nacht mit warmem Öl eingeweicht werden. Dazu wird das Ohr mit etwas Watte verschlossen – so läuft das Öl nicht heraus. 

Die Dampfreinigung ist dagegen etwas aufwändiger. Ein Esslöffel Kamille wird mit zwei Litern heißem Wasser aufgebrüht. Der Kopf darf unter einem Handtuch etwa zehn Minuten im heißen Dampf verbleiben. Vorsicht – das ist wirklich heiß! Anschließend werden die Ohren mit lauwarmem Wasser ausgespült. Warum ausgerechnet Kamille? Kamille reinigt und schützt vor Bakterien. Die Gesichtshaut wird nach so einem Dampfbad auch jugendlich frisch sein, Mitesser haben keine Chance!

Was tun gegen jucken im Ohr?

Bleibt noch eine Frage zu klären: Was tun gegen Jucken im Ohr? Im Gehörgang kann man sich ja schlecht kratzen … Auch in diesem Fall ist das Wattestäbchen die schlechteste Wahl. Juckt es innen im Ohr, liegt das oft an einer Erkältung. Die Gehörgänge sind mit den Nebenhöhlen und den Stirnhöhlen verbunden, so dass Erreger sich auch dort niederschlagen können. Eine leichte Entzündung verursacht dann den Juckreiz. Dagegen tun kann man nichts. Manchmal lindert eine Tasse heißer Tee den Juckreiz. Denn der heiße Dampf gerät beim Trinken über die Gänge in Nase und Stirn bis ins Ohr und kann die Entzündung lindern. Besonders empfehlenswert sind Kamillentee und Salbeitee.

9. FAQ - Häufig gestellte Fragen zum Thema Ohren reinigen

Hier haben wir die wichtigsten Fragestellungen rund um das Thema Reinigung der Ohren zusammengefasst.

Wie sollte ich meine Ohren am besten reinigen?

Warmes Wasser reicht in der Regel aus, um die Ohren zu reinigen. Setzt sich Ohrenschmalz in der Ohrmuschel ab, kann das auch einfach mit einem Taschentuch oder einem Kosmetiktuch entfernt werden.

Wie kann ich mein Ohr saubermachen, wenn es verstopft ist?

Ist das Ohr verstopft, gibt es drei Möglichkeiten: Das Ohrenschmalz kann unter der Dusche vorsichtig mit warmem Wasser aufgeweicht werden. Oder eine Ohrenspülung aus der Apotheke kommt zum Einsatz. Als letzte Möglichkeit (wenn alles andere nicht hilft) bleibt der Gang zum HNO-Arzt.

Wie oft sollte man sich die Ohren ausspülen lassen?

Die Ohren müssen immer dann in der HNO-Praxis gereinigt werden, wenn die Alternativen versagen. Ein festes Intervall gibt es dabei allerdings nicht.

Was passiert, wenn man Ohrenschmalz nicht entfernen lässt?

Im Normalfall passiert gar nichts. Ohren sind selbstreinigend, das Ohrenschmalz gelangt also in der Regel ganz von alleine nach außen. Ist das einmal nicht der Fall, kann das Ohr verstopfen. Das macht sich zuerst mit einem eingeschränkten Hörvermögen bemerkbar.

Was tun gegen Jucken im Ohr – Wattestäbchen?

Jucken im Ohr hat nichts mit Ohrenschmalz zu tun, sondern bestenfalls mit einem Mangel an selbigem. Der Einsatz von Wattestäbchen wäre also kontraproduktiv. Oft kommt es bei einer Erkältung zu dem unangenehmen Juckreiz, der genauso schnell wieder von alleine verschwindet, wie er gekommen ist.


Autorin: Melanie B. Weber

Melanie ist Autorin und Journalistin mit abgeschlossenem Master. Sie veröffentlicht regelmäßig Fachbeiträge und Ratgeber - Artikel zu verschiedenen alltagsrelevanten Themen.