Dezibel (dB) Vergleich – Bei welchem Geräuschpegel wird es zu laut?

Rund um Lautstärke, Lautheit Dezibel (dB) und Schalldruck gibt es viele Missverständnisse. Das hängt damit zusammen, dass hier Begriffe, die der subjektiven Wahrnehmung des / der Einzelnen unterliegen mit objektiv messbaren Größen aus der Physik vermischt werden. Hinzu kommt, dass die Themen Schallwahrnehmung und deren Bewertung recht komplex sind. Wir versuchen in alltagstauglicher Form etwas Licht ins Dunkel zu bringen, ohne allzu raketenwissenschaftlich in die Tiefe zu gehen.




1. Was ist die Lautstärke und wie wird sie gemessen? | "Lautstärkeeinheit dB"

Lautstärke ist im Grunde nur ein umgangssprachlicher Begriff für den Schalldruck, also die „Stärke“ des Schalls. Diese wird auch als Schalldruckpegel bezeichnet und in Dezibel (dB) gemessen. Wie laut wir bestimmte Geräusche empfinden hängt neben dem Schalldruckpegel auch von der Tonhöhe ab. Besonders empfindlich ist das menschliche Gehör beispielsweise in dem Tonhöhenbereich, in dem sich Gespräche oder Schnarchen (leider) abspielen. Damit Geräusche mit verschiedenen Tonhöhen einigermaßen miteinander verglichen werden können, wurde eine Dezibel – Bewertungsskala erfunden, die die Besonderheiten des menschlichen Gehörs berücksichtigt, die dB(a) - Skala.

2. Wie viel dB ist eine Verdoppelung der Lautstärke?

Bereits 10dB entsprechen einer Verdoppelung der wahrgenommenen Lautstärke. Die menschliche Stimme hat übrigens ein sehr großes Spektrum in Bezug auf die Lautheit und beinhaltet damit gleich mehrere Verdoppelungen der Lautstärke im psychoakustischen Sinn. Während das Flüstern bei etwa 30-35dB anzusiedeln ist, bringt es ein angeregtes Gespräch durchaus auf 65 bis 70dB.

3. Die Dezibel Skala - Wie laut sind Alltagsgeräusche im Vergleich

Um einen besseren Überblick zu geben, welche Lärmquellen des Alltags welcher Lautstärke entsprechen, haben wir ein paar typische Beispiele herausgesucht.

3.1. | 0dB bis 10dB

Zwischen 0dB und 10dB spielen sich sehr leise Geräusche ab. Beispielsweise der Lüfter eines Notebooks oder das Summen einer Mücke in jeweils etwa 1m Entfernung. 0dB bezeichnet man auch als Hörschwelle. Hierbei handelt es sich um das kleinste, von einem Menschen wahrnehmbare Geräusch.

3.2. | 20dB - 25dB

Nur etwas lauter, zwischen 10dB und 20dB sind beispielsweise Geräusche wie das eigene Flüstern oder die eigenen Atemgeräusche. Ebenfalls in diesem Bereich spielt sich Straßenverkehr auf dem Dorf bei geschlossenem Schallschutzfenster oder eine tickende alte Standuhr in 10m Entfernung ab.

3.3. | 30db - 35dB

Bei 30dB findet zum Beispiel leichter bis mäßiger Wind, leises Reden oder sehr leises Musik aus dem Notebook – Lautsprecher statt.

3.4. | 40dB bis 45 dB

Ab 40 dB wird es schon etwas interessanter. Zwar sind die Geräusche auf diesem Niveau immer noch ungefährlich, sie können aber bereits dafür sorgen, dass die Konzentrationsfähigkeit negativ beeinflusst wird. In diesem Bereich anzusiedeln ist ein auf niedriger bis mittlerer Lautstärke eingestelltes Radio oder typische, eher leise Wohnungsgeräusche, wie ein Zimmerventilator, der Geschirrspüler in 10m Entfernung oder die Waschmaschine im Nebenzimmer.

3.5. | 50dB – 55dB aka. Zimmerlautstärke

Bei 50dB bis 55dB sprechen wir von gehobener Zimmerlautstärke. Der Fernseher oder das Radio läuft auf normaler Lautstärke und zusätzlich findet noch ein Gespräch zwischen zwei bis drei Leuten statt. Das Geräuschniveau entspricht einer belebten Wohnung.

3.6. | 60dB - 65dB

Jetzt geht es schon lärmintensiver zu. Wenn wir beim Wohnungsbeispiel bleiben wollen, handelt es sich hier um ein eher emotionales Gruppengespräch. Zwar wird sich noch nicht angeschrien, aber die Argumente werden schon sehr nachdrücklich ausgetauscht. Der Lärm in einer Kantine um die Mittagszeit, oder normaler Straßenverkehr in der Stadt, an dem man als Fußgänger teilnimmt, sind weitere Beispiele. Auch wenn man dieses Lärmniveau meist noch als ganz ok wahrnimmt, besteht bei dauerhafter Exposition bereits ein messbar erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen.

3.7. | 70dB - 75dB

Beispiele für 70dB bis 75dB sind ein vorbeifahrendes Auto, wenn man auf dem Fußweg in etwa 3m Entfernung steht, ein vorbeifahrender Zug in 10m Entfernung oder der Lärmpegel in einem Großraumbüro. Auch der gute alte Staubsauger bringt es auf etwa 70 dB. Betagtere, besonders laute Modelle erreichen teilweise sogar 90dB.

3.8. | 80dB – 85dB

Hier geht es schon richtig laut und leider auch gesundheitsgefährdend zu. Ab einem Tages - Lärmexpositionspegel von 80dB muss der Arbeitgeber deshalb Gehörschutz zur Verfügung stellen. Der Tages-Lärmexpositionspegel ist der gemittelte Durchschnittslärm über einen Zeitraum von 8 Stunden. Ab 85dB ist der Arbeitnehmer verpflichtet, den Gehörschutz auch aufzusetzen (zwischen 80 und 84dB obliegt das der freien Entscheidung des Arbeitnehmers). Beispiele für Lärm in dieser Größenordnung sind Laubbläser, Rasenmäher, Schleifgeräte, das Bohren mit einem Akkuschrauber oder das Schweißen mit einem Schweißgerät. Ist man diesem Lärmpegel über einen längeren Zeitraum hinweg immer wieder ohne Ohrstöpsel oder Kapselgehörschutz ausgesetzt, drohen Gehörschäden.

3.9. | 90dB – 95dB

Hier geht es schon langsam in Richtung Presslufthammer und Winkelschleifer, jeweils in 10m Entfernung. Außerdem fällt das Knallen von Türen in 5m Entfernung oder das Benutzen einer Holzfräsmaschine in diesen Bereich. Während man diese Geräusche noch relativ eindeutig als gefährlich wahrnehmen würde, unterschätzt man gerne, wie laut das Musikhören mit Kopfhörern, ein  Klavierkonzert in 5m Entfernung oder laute Schnarchgeräusche doch eigentlich sind. Auch diese Lärmquellen spielen sich auf diesem hohen Niveau ab und können sowohl allgemeine negative gesundheitliche Folgen haben, als auch zu Hörschäden führen. Geeignete Ohrstöpsel sollten hier definitiv bereits zur Grundausstattung gehören.

3.10. | 100dB

Bei 100dB sprechen wir sowohl von der viel zitierten Kreissäge, als auch von der Lautstärke im Club oder der Disco. Hier wird wieder deutlich, wie unterschiedlich das menschliche Gehör Geräusche verschiedener Frequenzspektren wahrnimmt. Während man sich neben einer Kreissäge sofort die Ohren zuhalten würde, nimmt man den gleich hohen Lärmpegel im Club kaum als störend wahr. Trotzdem sind beide Lärmquellen in gleichem Maße gehörschädigend. Nur mit geeigneten Ohrstöpseln sollte sich diesen Lärmpegeln ausgesetzt werden.

3.11. | 120dB aka. Schmerzgrenze für die Ohren

Wie der Name schon sagt, fängt es bei 120dB an weh zu tun. Ein Düsenflugzeug in einer Entfernung von 50m kommt etwa auf dieses Niveau. Aber auch eine Trillerpfeife in 1m Entfernung erreicht diesen Wert. Gerade bei Karneval, Fasching oder einer Demonstration tritt dieses Niveau der Lärmbelastung durchaus häufiger auf. Ab 120dB kann es auch bereits zu lärminduziertem Unwohlsein kommen. Allerdings ist die Schmerzgrenze von Mensch zu Mensch verschieden und von Situation zu Situation anders. Setzt man sich beispielsweise seiner Lieblings – Clubmusik in dieser Lautstärke aus, so ist das zwar extrem ungesund und zweifellos gehörschädigend, aber unter Umständen nimmt man es nicht allzu laut wahr. Besonders bei lauten Beats und Bässen neigen wir dazu, die tatsächliche Lautstärke zu unterschätzen. Mehr als 100dB Pegel sind in Clubs deshalb eigentlich gesetzlich verboten. Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Berliner Landesamtes für Gesundheit und Soziales werden in Clubs jedoch auch häufiger 110dB und mehr erreicht.

4. Tonhöhe und Lautstärkeempfinden - Warum uns bestimmte Geräusche stärker stören als andere

Leider ist das Gehör also nicht besonders gut darin, uns rechtzeitig vorzuwarnen, wenn es zu laut wird. Das hängt damit zusammen, dass wir in bestimmten Frequenzbereichen einfach besser hören und in anderen schlechter. Besonders in dem Frequenzspektrum, in dem sich die menschliche Sprache abspielt, ist das Gehör sehr empfindlich. Sehr tiefe Töne, wie Bässe oder Rumpeln nehmen wir hingegen tendenziell leiser wahr. Deswegen reagieren wir auf lautes Schreien von Kindern auch deutlich eher, als auf etwa gleich laute elektronische Musik. 

5. Lautstärke durch Gehörschutz reduzieren – Hörschäden vermeiden

Schallpegeln über 80dB sollte man sich also über längere Zeiträume hinweg nur mit Ohrenstöpseln aussetzen. Egal ob Kapselgehörschutz in Kopfhörer – Form (On Ear Gehörschutz) oder Ohrstöpsel (In Ear Gehörschutz) bevorzugt wird, beide Gehörschutz - Arten sorgen für eine wirksame Minderung der Lärmbelastung am Trommelfell. Dadurch kann das Gehör geschont und Schwerhörigkeit bis ins Hohe Alter vorgebeugt werden. 


Autor: Matthias Speck

Matthias ist Diplom - Betriebswirt und Bachelor of Engineering für Audiotechnik. Seit 2005 produziert und veröffentlicht er regelmäßig Musik. Er verfügt über Erfahrung als DJ und als Festival - Mitveranstalter. Dadurch kennt er die Anforderungen an wirksamen Gehörschutz auch aus der Praxis.