Ruhestörung & Lärmbelästigung durch Nachbarn - Was tun?

Der Tee duftet himmlisch, ein spannendes Buch liegt bereit und das Sofa lädt zum gemütlichen Sonntagnachmittag ein. Plötzliches Hämmern verändert die wohlige Stimmung im Nullkommanichts. Die heimelige Atmosphäre ist nur schwer zu halten, denn laute Geräusche stören unser Wohlbefinden. Nicht nur Heimwerkerarbeiten, sondern auch Kindergeschrei, dröhnende Musik oder Hundegebell bringen uns aus der Balance.

 

Ob Partylärm, Rasenmähen oder laute Gespräche - was dem einen Freude bereitet, kann für den anderen eine enorme Belastung darstellen. Lärmbelästigung kann zu einem Nachbarschaftsstreit ausufern. Doch so weit muss es nicht kommen, wenn man ein paar Regeln kennt und beachtet. Zudem ist es in Deutschland gesetzlich geregelt, wann es sich um Ruhestörung handelt und was zu welcher Zeit erlaubt ist. In diesem Beitrag haben wir die wichtigsten Informationen zusammengefasst. Los geht's!




1.Wenn die Geräuschkulisse überhand nimmt: Wann handelt es sich um Ruhestörung?

Lärmbelästigung oder Ruhestörung zählt als Ordnungswidrigkeit. Im Ordnungswidrigkeitsgesetz (OwiG) ist klar geregelt, dass ein Verstoß vorliegt, wenn folgende Sachverhalte zutreffen:

  • es entsteht Lärm, der ohne berechtigten Anlass oder in einem unzulässigen Ausmaß auftritt
  • die Störung belästigt die Allgemeinheit oder die Nachbarschaft
  • der Lärm gefährdet die Gesundheit eines anderen

Damit kein Verstoß entsteht und das nachbarschaftliche Miteinander harmonisch bleibt, sollte man sich an Ruhezeiten halten.

 

"Lärmbelästigung oder Ruhestörung zählt als Ordnungswidrigkeit."


2. Zeit für Erholung: Wann gelten Ruhezeiten?

Ruhezeiten sind nicht einheitlich geregelt, denn jedes Bundesland hat eigene Bestimmungen. Meist regelt das Landesimmissionsschutzgesetz gesetzliche Ruhezeiten. Auch in der Lärmschutzverordnung des jeweiligen Landes oder der Kommune gibt es dazu Vorgaben. Bei Fragen oder Anliegen kann die Stadt- oder Gemeindeverwaltung Auskunft geben. Wichtiger als die gesetzliche Vorschrift ist jedoch die in der jeweiligen Hausordnung festgelegte Ruhezeit. Viele Hausverwaltungen orientieren sich dabei an den Empfehlungen des Deutschen Mieterbundes:

  • Mittagsruhe: 13 Uhr bis 15 Uhr
  •  Nachtruhe: 22 Uhr bis 6 Uhr
  • Sonn- und Feiertage: ganztägige Ruhe

Gelegentlich besteht eine gesonderte Regelung für Samstage, an denen die Ruhezeit bereits um 19 Uhr beginnt und sonntags um 8 Uhr endet. Während der Ruhezeiten darf der Geräuschpegel die Zimmerlautstärke nicht überschreiten.


3. Was ist Zimmerlautstärke?

Gerichte entscheiden meist im Einzelfall, wie laut diese genau ist. Tagsüber kann man als groben Richtwert 40 Dezibel (dB) heranziehen. Nachts sollte die Zimmerlautstärke 30 Dezibel nicht überschreiten. Dennoch gilt: Wenn es zu einer gerichtlichen Verhandlung kommt, wird immer die individuelle Gesamtsituation unter die Lupe genommen. Beispiel: Wenn das Gebäude sehr hellhörig ist, kann ein Lautstärkepegel von 40 Dezibel als Ruhestörung betrachtet werden. Auch in Senioren- & Pflegeheimen geht der Gesetzgeber von einem niedrigeren Dezibel-Wert aus. Da die meisten von uns kein Dezibel-Messgerät besitzen, gibt die folgende Auflistung von Geräuschquellen und deren Dezibel-Pegel eine grobe Orientierung:

  • 10 dB: Blätterrascheln, Atemgeräusche
  • 20 dB: Ticken einer Uhr
  • 30 dB: Flüstern
  • 40 dB: Vogelgezwitscher, leise Musik
  • 60 dB: normales Gespräch
  • 75 dB: Staubsauger, Rasenmäher, Schreien
  • 80 dB: Verkehrsstraße in 5 Meter Entfernung
  • 95 dB: Kreissäge
  • 110 dB: Rockkonzert
  • 120 dB: Flugzeugstart
  • 130 dB: Schmerzschwelle
  • 140 dB: Düsenflugzeug in 30 Meter Entfernung

4. Duschen, Kochen & Co.: Was darf man während der Ruhezeiten tun?

Während der Ruhezeiten sind nicht alle Tätigkeiten verboten, die lauter als 40 Dezibel sind. Sogenannte "sozialadäquate Tätigkeiten" gelten als zulässig. Dabei handelt es sich um Beschäftigungen, die eventuell die Ruhe stören, aber zum menschlichen Bedürfnis gehören. Dazu zählt beispielsweise Sex, Kochen oder Körperhygiene. Demnach darf man auch nachts duschen, aber um den Frieden zu wahren, sollte die Zeit so kurz wie möglich gehalten werden.


5. Party, Heimwerken, Kinderlärm und Tiere: Wann ist es Lärmbelästigung?

Musik, Haushaltsgeräusche, Kinder, Hundegebell - nicht alle Geräusche gelten als Lärmbelästigung. Zum Teil müssen Nachbarn die laute Geräuschkulisse hinnehmen. Es kommt darauf an, welche Ursache zum Lärm führt. Nachfolgend gehen wir auf die häufigsten Lärmquellen ein.

 

5.1 Ruhestörung durch Partys

Bei Feiern muss man Rücksicht auf die Nachbarn nehmen und die Ruhezeiten beachten. Ein Recht auf Nichtbeachtung besteht nicht. Eine Belastung durch Partylärm stellt demnach ein Verstoß gegen das Ordnungswidrigkeitengesetz dar und kann ein Bußgeldverfahren nach sich ziehen. Immer wieder gehen Partyveranstalter davon aus, dass eine Ankündigung reicht, um von den Nachbarn eine Einwilligung zu bekommen. Auch die prophylaktische Entschuldigung für den möglichen Lärm oder die Einladung zum Fest stellt keinen Freibrief dar. Das hat rechtlich keine Bedeutung. Natürlich hinterlässt der Aushang einen guten Eindruck und schafft meist Verständnis bei den Nachbarn. Zudem kann ein Gespräch vor dem Partystart helfen, dass ein Konflikt außen vor bleibt.

5.2 Lärmbelästigung durch Musik

Dem Grunde nach gibt es fürs Musikgenießen keine zeitliche Vorgabe. Das gilt jedoch nur, wenn die Musik in Ruhezeiten bei Zimmerlautstärke läuft. Hobbymusiker müssen sich an Ruhezeiten halten. Grundsätzlich ist das Musizieren verfassungsrechtlich geschützt, sodass Nachbarn es außerhalb der Ruhezeiten über Zimmerlautstärke akzeptieren müssen. Musiker dürfen laut einer Vorgabe des Bundesgerichtshofes (BGH) an Werktagen 2 bis 3 Stunden sowie an Sonn- und Feiertagen 1 bis 2 Stunden musizieren. Bei einem Schlagzeug wird die Zimmerlautstärke stark überschritten. Deshalb dürfen Schlagzeuger außerhalb der Ruhezeiten nur maximal 30 Minuten täglich spielen.

5.3 Lärm durch Kinder

Kleine Kinder halten sich nicht an Ruhezeiten, denn der Dreijährige zeigt seine Wut auch am Sonntag. Zudem kann es zur nächtlichen Ruhestörung kommen, wenn das Baby noch nicht durchschläft und weint. Das müssen andere bis zu einem gewissen Maß hinnehmen. Der Gesetzgeber vertritt die Auffassung, dass gelegentlicher Kinderlärm völlig normal ist. Aber es gibt auch hier Grenzen. Beispielsweise hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass Eltern einschreiten müssen, wenn die Kinder spät am Abend umhertoben. Eltern mussten bereits Ordnungsgeld zahlen, weil sie selbst regelmäßig gegen Ruhezeiten verstießen und auch die Kinder nicht am abendlichen Herumtollen hinderten.

5.4 Ruhestörung durch Hundegebell

Auch Hunde interessieren sich nicht für gesetzliche Ruhezeiten. Viele Fellnasen melden sich lautstark, wenn die Türklingel ertönt oder das Telefon klingelt. Manche können nicht anders und steigen ins Gebell von anderen Hunden ein. Es besteht keine gesetzliche Vorgabe, wie oft oder wie lange ein Vierbeiner bellen darf. Meldet sich der Hund aber ständig, kann man dagegen gerichtlich vorgehen. Beispielsweise hat das Sächsische Oberverwaltungsgericht entschieden, dass ein Hundebesitzer stetiges Gebell einschränken muss. Der Nachbar hat die Hunde auf seinem Grundstück im Zwinger gehalten. Die Tiere störten mit ihrem unaufhörlichen Gebell zahlreiche Nachbarn. Grundsätzlich müssen Hundehalter ihre Vierbeiner so halten, dass die Störungen in einem gewissen Rahmen bleiben.

5.5 Geräusche durch Bohren, Wäschewaschen, Staubsaugen, Rasenmähen

Bestimmte lärmverursachende Haushaltstätigkeiten dürfen nicht rund um die Uhr durchgeführt werden. In der Geräte- und Maschinenlärmschutzordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz sind gesetzliche Ruhezeiten festgelegt. Rasenmähen ist laut Gesetz von Montag bis Samstag zwischen 7 bis 20 Uhr erlaubt. Teilweise bestimmen die Kommunen zusätzliche Ruhezeiten, sodass die zuständige Stadt- oder Gemeindeverwaltung detaillierte Auskunft zu den aktuellen Vorschriften geben kann. Die Vorgaben gelten nicht nur für Rasenmäher, sondern auch für Bohrmaschinen, Laubbläser, Motorsägen und ähnliche Geräte. Für moderne Waschmaschinen trifft die Regelung nicht zu, da diese keine Lärmbelästigung darstellen. Demnach darf die Waschmaschine auch am Sonntag laufen. Anders sieht es beim Staubsaugen aus, denn diese Tätigkeit kann zur Lärmbelästigung führen, wenn sich die anderen dadurch gestört fühlen. Vor allem alte Geräte verursachen in hellhörigen Häusern viel Lärm. Auch leise Geräte und Staubsaugerroboter erzeugen Geräusche von circa 50 Dezibel, sodass die Zimmerlautstärke überschritten wird. Hier kann ein Blick in die Hausordnung für Klarheit sorgen. Darin sind die Ruhezeiten meist klar definiert.

5.6 Lärm durch Bauarbeiten

Störende Geräusche kommen nicht nur aus der Nachbarschaft. Arbeiten am Haus oder Baulärm durch Baustellen kann zur Ruhestörung führen. Die Bauarbeiten müssen zwischen 20 Uhr und 7 Uhr ruhen. Handelt es sich um eine gewerblich betriebene Baustelle, treten bestimmte Regelungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes in Kraft. Demnach darf der Lärmpegel folgende Werte nicht überschreiten:

 

  • innerhalb von Wohngebieten liegt der zulässige Wert bei 35 Dezibel bis 55 Dezibel
  • in Kurorten darf es nachts nicht lauter als 35 Dezibel und tagsüber nicht lauter als 45 Dezibel sein
  • in Gewerbegebieten darf rund um die Uhr bei 70 Dezibel gearbeitet werden

Kommt es zur Überschreitung dieser Werte, muss der Baustellenverantwortliche gezielte Lärmschutzmaßnahmen ergreifen.


6. Folgen von Lärmbelästigung: Wie wird Ruhestörung geahndet?

Der Vermieter kann eine Abmahnung bewirken, wenn sich der Mieter nicht an die Ruhezeiten hält. Verstößt der Mieter wiederholt gegen die in der Hausordnung festgelegten Schutzzeiten, kann der Vermieter das Mietverhältnis kündigen. Allerdings ist das nicht so einfach. Selbst wenn die Lärmbelästigung mehrfach erfolgte, hat der Vermieter nicht immer ein Kündigungsrecht. Ein Kündigungsgrund besteht nur dann, wenn der Mieter eine nachhaltige, dauerhafte Hausfriedensstörung auslöst. Eine fristlose Kündigung ist gerechtfertigt, sobald andere Mieter in Gefahr sind.

 

Der Vermieter muss detaillierte Aufzeichnungen über die Lärmbelästigung durch Nachbarn führen. Nur so hält die Kündigung vor Gericht stand. Aus einem Urteil des BGH geht hervor, dass der Vermieter den Mieter mit diesen Dokumentationen ermahnen muss. Des Weiteren muss der Vermieter darauf hinweisen, dass das ruhestörende Verhalten zu unterlassen ist. Wenn es weiterhin zu Lärmbelästigungen kommt, darf der Vermieter das Mietverhältnis beenden. Zudem kann eine anhaltende Ruhestörung teuer werden, denn das Gericht kann eine Geldbuße von bis zu 5.000 Euro aussprechen.


7. Ruhestörung beenden: Wie lässt sich ein Konflikt ohne Eskalation auflösen?

Es ist wissenschaftlich erwiesen, das Lärm die Lebensqualität einschränkt und krank macht. Die psychische Belastung durch Nachbarn steigt, je häufiger und länger die Ruhestörung erfolgt. Deshalb ist aktives Handeln gefragt, wenn der Lärm der Nachbarn überhand nimmt. Jeder darf eine Ruhestörung beim Ordnungsamt melden, aber das sollte der letzte Schritt sein. Zuvor gibt es andere Möglichkeiten, um die Situation friedvoll zu lösen und nicht eskalieren zu lassen. Die meisten Menschen sind sich nicht darüber im Klaren, dass sie eine Lärmbelästigung auslösen. Niemand möchte bewusst einen anderen schaden, sondern lediglich etwas für sich selbst tun. Wir haben einige Tipps zusammengefasst, damit die Ruhestörung ein Ende findet.

7. 1 Ins Gespräch kommen

Die meisten Konflikte entstehen, wenn Menschen nicht miteinander reden. Einige wollen der unangenehmen Situation aus dem Weg gehen und kontaktieren sofort den Vermieter, das Ordnungsamt oder die Polizei. Die anderen sollen es richten. Doch für ein nachbarschaftliches Miteinander ist das absolut nicht empfehlenswert. Der erste Schritt sollte immer das gemeinsame Gespräch sein. Eine sachlicher, ruhiger und verständnisvoller Austausch führt meist schon zum Erfolg, denn Nachbarn sind sich oft nicht über die Ruhestörung bewusst.

7. 2 Ohrstöpsel rein - Ruhestörung aus

Handelt es sich um gelegentlichen Lärm, wie beispielsweise Kinderlärm oder die Geburtstagsfete, sind Ohrstöpsel für die Nacht ideale Helfer. So bleibt zwar die Geräuschkulisse, aber der Lärm gelangt nicht ins Gehör. Hochwertig hergestellte Ohrstöpsel drängen Umgebungsgeräusche wirksam in den Hintergrund. Wenn sich jedoch eine dauerhafte Störung einstellt, sollte man neben dem Tragen von Ohrstöpseln unbedingt ein Gespräch zum Nachbar suchen. Auch ein Brief an den Lärmverursacher kann helfen, das Problem zu lösen.

7. 3 Vermieter informieren

Zeigt das Gespräch oder der Brief keine Wirkung, kann man sich im nächsten Schritt an den Vermieter wenden. Mithilfe einer Mängelanzeige wird die Ruhestörung und der Versuch zur Konfliktbewältigung schriftlich dokumentiert. Die Angaben zur Lärmbelästigung sollten so detailliert wir möglich erfasst werden (=Lärmprotokoll). Die Mängelanzeige muss die Forderung enthalten, dass der Vermieter gegen die Ruhestörung vorgehen soll. Eine angemessen gesetzte Frist stellt für den Vermieter einen zeitlichen Rahmen dar, indem er abmahnen oder unter bestimmten Voraussetzungen kündigen darf.

7. 4 Gerichtliche Schritte unternehmen

Wenn Menschen zusammenkommen, gibt es immer Konfliktpotenzial. Jeder hat individuelle Charakterzüge sowie eigene Gewohnheiten. Was dem einen als Wohltat dient, stört andere im hohen Maße. Die Musik dröhnt durch die Wände, sodass beim Nachbar oft negative Emotionen aufsteigen. Dabei möchte der Lärmverursacher niemanden schädigen, sondern seine Klänge genießen. Vielleicht hat der lärmende Nachbar große Sorgen und kompensiert diese durch ausuferndes Schlagzeugspielen. Deshalb bringt ein wertschätzendes und aufeinander zugehendes Verhalten meist den größten Mehrwert. Gemeinsam im Gespräch Lösungen finden - das ist es, was wir in diesen Zeiten so nötig brauchen.


8. Fazit: Lärmbelästigung ohne Lärm auflösen

Wenn Menschen zusammenkommen, gibt es immer Konfliktpotenzial. Jeder hat individuelle Charakterzüge sowie eigene Gewohnheiten. Was dem einen als Wohltat dient, stört andere im hohen Maße. Die Musik dröhnt durch die Wände, sodass beim Nachbar oft negative Emotionen aufsteigen. Dabei möchte der Lärmverursacher niemanden schädigen, sondern seine Klänge genießen. Vielleicht hat der lärmende Nachbar große Sorgen und kompensiert diese durch ausuferndes Schlagzeugspielen. Deshalb bringt ein wertschätzendes und aufeinander zugehendes Verhalten meist den größten Mehrwert. Gemeinsam im Gespräch Lösungen finden - das ist es, was wir in diesen Zeiten so nötig brauchen.


Autorin: Judith Möller

Judith ist Sozialpsychologin und Autorin. Sie verfasst regelmäßig Fachbeiträge zu den Themen Achtsamkeit und innere Ausgeglichenheit.