Das Ohr - Wie funktioniert das Hören?

Das Ohr - Wie funktioniert das Hören?

0. Das Gehör | Wie funktioniert das Hören - Das Ratgeber Video

In unserem kurzen Video zum Thema "Sinnesorgan Ohr" erfahrt ihr alles Wichtige zu Aufbau und Funktion des Gehörs:

1. Sinnesorgan Ohr - ein Wunderwerk der Natur

Wunderwerk Ohr - Das Phänomen des Hörens
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Sanftes Meeresrauschen, klassische Musik, zwitschernde Vögel - unsere Ohren nehmen feinste Nuancen wahr. Ein gesundes Gehör nimmt akustische Informationen wie ein Staubsauger auf und ordnet diese Reize unverzüglich in wichtige sowie unwichtige Signale ein. Kommt ein Rettungswagen mit dröhnendem Martinshorn näher, löst dieser Reiz meist eine umgehende Reaktion aus.
Besonders bei vertrauten Menschen hören wir in einem Telefonat heraus, wie es dem anderen gerade geht. Wer anderen zuhört und ehrliches Interesse zeigt, schafft Vertrautheit und Zusammenhalt. Zudem hat uns Mutter Natur mit Ohren ausgestattet, um Informationen auszutauschen und Gefahren abzuwenden. Bereits in der 8. Schwangerschaftswoche ist ein Embryo in der Lage, akustische Reize wahrzunehmen. Das Hörvermögen kann bis ins hohe Alter erhalten bleiben.
Wir schauen für euch hinter die Kulissen des Hörorgans, denn dort spielen sich außerordentlich interessante Vorgänge ab. Von der Ohrmuschel bis zum Hörzentrum - geh mit uns auf Entdeckungstour und sei gespannt, welche erstaunlichen Dinge im Ohr passieren.

2. Die Ohrmuschel - Schalltrichter auf Empfang

Ohrmuschel - auch als Ohr bezeichnet - Äußerster Teil des Gehörs
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2.1 Zwei Ohren sind besser als eins

2 Ohren ermöglichen das räumliche Hören und Richtungsorten von Geräuschen
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Ohrmuscheln bestehen vorrangig aus formgebendem Knorpelgewebe und Haut. Im gesamten Knorpelgewebe sind keine Blutgefäße zu finden. Die Versorgung erfolgt allein durch die Haut. Daher fühlen sich Ohrmuscheln eher kühl an. Dieser sichtbare Teil des Hörsinns dient als Schalltrichter, der seitlich am Kopf sitzt. Wir haben 2 Ohrmuscheln (und nicht nur eine), damit wir räumlich Hören können.

2.2 Fangnetz für Signale

Ohrmuschel - Fangnetz für Signale
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Der trichterähnliche Aufbau der Ohrmuscheln dient vordergründig der Lokalisierung und Bündelung von akustischen Signalen. Ohne Ohrmuscheln wäre unser phonetisches Empfinden enorm beeinträchtigt. Ein Teil der Ohrmuschel, das Ohrläppchen, besteht nur aus Fettgewebe und Haut. Der Hohlraum am äußeren Ohr (=Concha) gleicht einer kleinen Schüssel, die zum Gehörgang übergeht. Die ungleichmäßige Form der Ohrmuschel sorgt dafür, dass der Schall bricht, sobald dieser auf das Ohr trifft. Wie in einem Trichter bewegt sich der Schall zum Gehörgangseingang.

2.3 Wackelohren und Mimikakrobaten

Mancha Menschen können sogar mit den Ohren wackeln
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Manche Menschen können mit ihren Ohren wackeln, denn an der Ohrmuschel liegen Muskeln. Der Schauspieler Jim Carrey ist ein Meister der Mimik. Der Künstler bewegt jeden einzelnen Muskel so präzise, dass er im Nullkommanichts verschiedene Gefühlslagen oder andere Personen darstellen kann. Dafür investierte Carrey viel Zeit und Geduld, denn jede Muskelbewegung braucht Training. Was nicht genutzt wird, kommt weg - so das System der Natur. Deshalb können nur noch wenige Menschen ihre Ohren bewegen. Bei vielen Tieren erfüllt die Bewegung der Ohren einen wichtigen Zweck. Pferde kommunizieren ihre Stimmung anhand der Ohrenaktivität. Wir Menschen haben dafür andere Tools, deshalb bleiben die Ohrmuscheln bei den meisten regungslos.

3. Der Gehörgang - Weg zum Trommelfell

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Wie die Bezeichnung bereits erahnen lässt, handelt es sich beim Gehörgang um einen Durchgang im Ohr. Der Bereich spielt eine entscheidende Rolle für das Hören. Der Gehörgang umfasst innere sowie äußere Gänge.

3.1 Äußerer Gehörgang - Transport und Verstärker

Äußerer Gehörgang
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Der bekanntere äußere Gehörgang beschreibt den Eingang zum Ohr. Der Gang stellt eine Verbindung zwischen Ohrmuschel und Trommelfell her. Der äußere Gehörgang misst circa 3 Zentimeter und ist gut einsehbar. Dieser sichtbare Gang besteht aus Knorpel- und Knochengewebe. Seine Aufgabe besteht darin, den Schall zu verstärken und zu transportieren.

3.2 Innerer Gang - Platz für Nerven und Blutbahnen

Innerer Gehörgang - Platz für Blutgefäße und wichtig für Klangübertragung
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Der innere Gehörgang befindet sich vollständig im Schädel, im sogenannten Felsenbein. In der hinteren Schädelgrube endet der innere Gang. Der Bereich bildet den Weg für bedeutende Hör- und Gesichtsnerven sowie Blutgefäße, die ins Schädelinnere führen. Beide Gehörgänge sind für das Hörvermögen enorm wichtig. Sobald ein Gang durch zum Beispiel einen Ohrenschmalzpfropfen blockiert ist, gelangen die akustischen Signale in eine Sackgasse. Dann hören wir nur noch gedämpfte oder keine Töne.

3.3 Das Ohr mag weibliche Stimmen

Das Gehör mag weibliche Stimmen
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Meist erfolgen Ansagen in Flughäfen und Bahnhöfen von weiblichen Stimmen. Diese Stimmlagen liegen in einem Frequenzspektrum, das besonders gut vom menschlichen Gehör aufgenommen wird. Der Gehörgang verstärkt diese Wellenlängen besser als andere.

3.4 Von Borstenhaaren und Ohrensekret

Borstenhaare unter Rasterelektronenmikroskop
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Im Gehörgang befinden sich Talgdrüsen und Borstenhaare. Die Drüsen arbeiten fleißig daran, Ohrenschmalz im Gehörgang abzusondern. Das klingt nicht gerade hygienisch, aber genau das ist es. Die Härchen und das Sekret sind dafür da, das Hörorgan zu schützen. Die Borstenhaare wehren das Eindringen von Fremdkörpern und Insekten ab. Abgestorbene Hautschüppchen, Schmutz- und Staubpartikel finden mithilfe von Ohrenschmalz den Weg nach draußen. Zudem enthält das Sekret Bestandteile, die Pilze oder Bakterien bekämpfen sowie Insekten fernhalten. Somit bleibt der Gehörgang frei und gesund.

3.5 Stopp für Wattestäbchen & Co.

Wattestäbchen - Verwendung im Ohr ist sehr umstritten
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Der Gehörgang reinigt sich selbstständig. Wer dies nicht beachtet und zum Beispiel mit Wattestäbchen im Ohr hantiert, begünstigt Verstopfungen, Verletzungen und Entzündungen. Wattestäbchen und andere Hilfsmittel haben im Gehörgang nichts verloren. Wir können den Reinigungsprozess ganz entspannt Mutter Natur überlassen.

4. Das Trommelfell - Schutzbarriere und Schallleiter

Das Trommelfell
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Zwischen dem Gehörgang und Mittelohr befindet sich eine dünne Membran, die wie Transparentpapier aussieht. Hauchdünn und durchscheinend sitzt das Trommelfell am Ende des Gehörgangs. Mit nur 0,1 Millimeter entspricht die Dicke der Trommelfellmembran die eines Blattes Toilettenpapier. Die Schicht ist oval geformt und ungefähr ein Zentimeter hoch. Nicht nur Menschen, sondern alle auf dem Land lebenden Wirbeltiere besitzen ein Trommelfell.

4.1 Zartbesaitete Membran

Gerissenes Trommelfell muss genäht werden
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Die sensible Schicht erfüllt wichtige Aufgaben. Das Trommelfell schützt das Mittelohr und überträgt den Schall. Ist das Trommelfell verletzt, kann das negative Auswirkungen auf das Hörvermögen haben. Risse können beispielsweise durch Einführen von Wattestäbchen, Gewalteinwirkungen, bei Tauchgängen oder im Rahmen einer Mittelohrentzündung entstehen. Dank des medizinischen Fortschritts sind Ärzte heutzutage fähig, eine beschädigte Membran chirurgisch zu reparieren.

4.2 Unscheinbare Schicht mit bedeutender Wirkung

Das Trommelfell besteht aus 3 Schichten
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Experten unterteilen das Trommelfell in 3 Schichten: Epithelschicht (außen), Faserschicht (mittig) und Schleimhautschicht (innen). Ein doppeltes Netz von Blutbahnen versorgt das Trommelfell optimal. Die Membran kann schwingen, da sie nicht unter Spannung steht. Das Trommelfell wölbt sich wie ein Trichter nach innen. Am Endpunkt verbindet sich die Schicht mit dem Hammer (=Gehörknöchelchen). Dadurch ist das Trommelfell ein ausgezeichneter Schallleiter, denn die phonetischen Signale gelangen ideal an das Innenohr. Die Membran verfügt über ein empfindliches Nervengeflecht. Deshalb lösen bereits leichte Berührungen unangenehme Reize aus.

4.3 Der Wächter des Mittelohrs

Trommelfell - Bodyguard des Gehörs und dient der Schwingungsübertragung
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Wie ein Bodyguard sitzt die Trommelfellmembran schützend am Ende des inneren Gehörgangs. Die feine Haut verschließt sozusagen das dahinterliegende Mittelohr. So gelangen Flüssigkeiten und Schmutzpartikel nicht ins Mittelohr. Sobald fremde Partikel oder Flüssigkeiten den Weg durch ein beschädigtes Trommelfell ins Mittelohr finden, drohen behandlungsbedürftige Entzündungen.

4.4 Schwingende Felle

Das Trommelfell überträgt Schwingungen
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Die dünne Membran dient nicht nur dem Schutz, sondern erfüllt auch eine weitere bedeutende Funktion. Die Schallwellen treffen auf das elastische Trommelfell, welches dadurch zu vibrieren beginnt. Die Schwingungen übertragen sich von der zarten Membran auf die Gehörknöchelchen. Von dort aus wandert der Schall weiter ins Innenohr. Kleiner Bereich, große Wirkung.

5. Das Mittelohr - Zentrum des Geschehens

Das Mittelohr - Zentrum des Hörens
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Der Bereich des Mittelohrs beginnt direkt hinterm Trommelfell. Hier befindet sich das Kernstück des Hörsinns. Der mit Luft gefüllte Raum ist kleiner als viele denken. Der Hauptbereich, die sogenannte Paukenhöhle, verfügt über eine Breite von etwa 5 Millimetern. Das gut belüftete Herzstück des Hörorgans wartet trotz seines winzigen Formats mit einer äußerst aufwendigen Anatomie auf. Kaum ein anderes Organ unseres Körpers ist so kompliziert aufgebaut wie das Mittelohr. Aufgrund der einzigartigen Anatomie und der ungewöhnlichen Lage entstehen im Mittelohr oft schwere Entzündungen.

5.1 Know-How der Evolution kommt unserem Hörvermögen zugute

Die jahrtausendelange Entwicklung des Mittelohrs macht es möglich, dass wir Schall außerhalb des Wassers hören können. Das Mittelohr verbindet das Außenohr mit dem Innenohr. Der mit Schleimhaut überzogene Bereich wird durch die Trommelfellmembran vom Außenohr getrennt. Am Übergang vom Mittelohr zum Innenohr befindet sich das sogenannte ovale Fenster. Geräusche, Töne und Sprache werden vom Mittelohr ans Innenohr übertragen.
Zum Mittelohr gehören diese Komponenten (siehe Grafik oben):
  • Gehörknöchelchen (bestehend aus Hammer, Amboss und Steigbügel)
  • Trommelfell
  • Paukenhöhle
  • Estachische Röhre (Ohrtrompete)
  • Gesichtsnerv
  • Geschmacksnerv
  • Binnenohrmuskeln (Trommelfellspannmuskel, Stapediusreflexmuskel)

5.2 Natürlicher Gehörschutz - Stapediusreflex

Stapediusreflex - Muskelbewegung im Ohr für natürlichen Gehörschutz
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Der Stapediusmuskel hat eine besonders nützliche Gabe. Sobald zu laute Reize auf das Ohr treffen, zieht sich der Muskel umgehend zusammen. In Fachkreisen bezeichnen Experten diesen Vorgang als Stapediusreflex. Die Muskelbewegung bewirkt, dass eine leisere Übertragung erfolgt. Unser Mittelohr löst den Reflex zwischen einer Dezibel-Lautstärke zwischen 70 und 95 aus. Dennoch stößt dieser natürliche Schutzmechanismus an seine Grenzen, wenn zu laute Signale auf das Hörorgan treffen. Darum braucht unser Gehör oft äußeren Schutz durch Ohrstöpsel oder anderweitigen Gehörschutz, um zum Beispiel laute Konzerte oder Maschinenlärm abzudämpfen.

5.3 Das Wunder im Mittelohr

Innenohr ist mit Flüssigkeit ausgestattet
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Die Hauptaufgabe des Mittelohrs besteht darin, akustische Signale an das Innenohr weiterzugeben. Das scheint auf dem ersten Blick eine unüberwindbare Herausforderung zu sein, da das Außenohr belüftet und das Innenohr im Flüssigkeit ausgestattet ist. Wasser besitzt allerdings einen höheren Widerstand als Luft. Somit muss das Mittelohr diesem Widerstand entgegenwirken. Im Laufe der Evolution hat des Ohr einen Mechanismus hervorgebracht, der die Schallwellen verändert - ein wahres Meisterwerk der Natur. Das Mittelohr ist in der Lage, den Luftschall in Flüssigkeitsschall zu verändern. Für die Schallumwandlung greift das Mittelohr auf 2 Mechanismen zurück. Zum einen nutzt das Mittelohr die Hebelwirkung der Gehörknöchelchen. Zum anderen dient der Flächenunterschied des ovalen Fensters und des Trommelfells als Druckwandler.

5.4 Hebelwirkung kurz erklärt

Hammer, Amboss und Steigbügel - Die Gehörknöchelchen
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Hört sich kompliziert an, aber unser Körper wuppt das ständig ohne Weiteres. Der Griff des Hammers ist länger als der Schenkel des Ambosses. So nimmt die maximale Schwingung der Steigbügelauslenkung (=Amplitude) zwar ab, jedoch steigt die übertragene Kraft.

5.4 Druckwandler kurz erklärt

Die vibrierende Fläche der Trommelfellmembran ist ungefähr 14 Mal größer als die Fläche der Steigbügel-Fuß-Platte. Dadurch wandelt sich die Kraft um und passt sich an den Flüssigkeitswiderstand an.

5.5 Intelligente Gehörknöchelchen

Amboss, Hammer und Steigbügel sind wichtige Tools im Mittelohr. Diese Gehörknöchelchen befinden sich in der bis zu 7 Millimeter breiten und circa 15 Millimeter langen Paukenhöhle. Der kleine Paukenraum umfasst nur ein Volumen von ungefähr einem Kubikzentimeter. Die Paukenhöhle liegt gut geschützt im sogenannten Felsenbein. Dieser Bereich besteht aus einer harten Knochenstruktur. Eine Öffnung im unteren Bereich führt in die Eustachische Röhre. Diese Ohrtrompete arbeitet unermüdlich am Druckausgleich zwischen Außenluft und Paukenhöhle. Die Verbindung führt sich bis in die Rachenhöhle fort.
Wenn Schallwellen am Trommelfell ankommen, werden die Schwingungen zu den winzigsten Knöchelchen im Organismus weitergeleitet: zu Hammer, Steigbügel und Amboss. Nicht nur die Schallvibrationen, sondern auch Muskeln bringen die Knöchelchen in Bewegung. Die Schallwellen gelangen fast ohne Verluste durch die Mechanik. Die Gehörknöchelchen sind sogar in der Lage, den Schall um das 22-fache zu verstärken. Zu guter Letzt erfolgt die Übergabe der Signale an die Gehörschnecke (Cochlea).

6. Das Innenohr - Hörschnecke und Gleichgewichtsorgan

Das Innenohr
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Neben dem Außen- und Mittelohr besteht unser Hörorgan aus dem Innenohr. Bei allen Säugetieren befindet sich im Innenohr die Hörschnecke sowie das Gleichgewichtsorgan. Die Hauptaufgabe des Innenohrs ist die Verarbeitung der Schallwellen in elektrische Impulse. Zudem regelt dieser Bereich unseren Gleichgewichtssinn.

6.1 Innenohr zum Sprachrohr

Innenohr - Sitz des Gleichgewichtssinns
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Im Nullkommanichts erfasst das Innenohr phonetische Reize, wandelt diese um und leitet die Signale an das Gehirn weiter. Wann immer wir ins Wanken geraten, hat häufig das im Innenohr befindliche Gleichgewichtsorgan seine Hände im Spiel. Akustische Signale wandern vom Außenohr übers Mittelohr zum Innenohr. Von dort aus gelangen die Schallwellen zum Sprachareal. Als elementarer Baustein des Hörsinns ist das Innenohr unabkömmlich, um uneingeschränkt hören zu können.

6.2 Hörschnecke, Wendeltreppe oder Kaffeebohne?

Hörschnecke / Gehörschnecke im Innenohr
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Wie so viele Bereiche im Ohr ist die Gehörschnecke nur von winziger Größe. Der kaffeebohnengroße Abschnitt im Innenohr sieht aus wie eine Wendeltreppe. Die Gehörschnecke enthält tausende von Hörzellen. Das Corti-Organ befindet sich in der Hörschnecke. Dieses Organ wandelt Schallimpulse in elektrische Impulse um, damit die Signale vom Gehirn verarbeitet werden können.

6.3 Gehörschnecke ohne Ecken und Kanten

Gehörschnecke sieht aus wie ein Schneckenhaus
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Die Hörschnecke trägt ihren Namen zurecht, dann der gewundene Hohlraum gleicht dem eines Schneckenhauses. Die sogenannte Cochlea hätte einen circa 3 Zentimeter langen Strang, wenn man die Hörschnecke auseinanderrollen könnte. Am Anfang hat der Strang einen Durchmesser von ungefähr 2 Millimeter. Dieser verengt sich, bis er am Ende des Strangs nur noch wenige Mikrometer breit ist. Der trichterförmige Aufbau beeinflusst die Tonhöhen. Schallwellen mit einer tiefen Frequenz gelangen weit in die Hörschnecke. Dagegen dringt Schall mit einer hohen Frequenz nicht so weit in die Cochlea ein. Das Schneckenhaus im Ohr hat bei gesunden Menschen 2,5 Windungen.
Die Windungen bestehen aus 3 Bereichen:
  •    Vorhoftreppe
    • Schneckengang
    • Paukentreppe  
Bei einer Mondini-Dysplasie, eine angeborene Fehlbildung, können sich die Windungen reduzieren. In diesem Fall hören Betroffene schlechter. Auch Taubheit kann eine Auswirkung der Cochlea-Veränderung sein. Die Wendeltreppe ist mit einer mehrschichtigen Membran ausgestattet. Auf der Schicht befinden sich bis zu 20.000 Sinneshärchen und Hörzellen. Sinnbildlich steht jedes Härchen für einen Ton. Einfach erklärt ist dieses Rezeptorfeld wie ein Teppich, mit dem die Stufen der Wendeltreppe belegt sind. Das Rezeptorfeld wandelt mechanische Signale in elektrische Nervenimpulse um.

6.4 Schall auf Reisen

Sinneshärchen im Ohr ähneln einem Teppich
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Nachdem Schallwellen auf das Außenohr und das Trommelfell treffen, gelangen die Signale auf die Gehörknöchelchen. Der Steigbügel, das letzte Knöchelchen, leitet den mechanischen Reiz an das ovale Fenster am unteren Bereich der Hörschnecke weiter. Die Signale treffen auf die Perilymphe im unteren Teil der Schnecke. Die Perilymphe ist eine Flüssigkeit, die sich in den Bogengängen und im Schneckengang befindet. Hier werden mechanische Signale verstärkt und transportiert. Aufgrund der Bewegung der Flüssigkeit verändert sich die Stellung der Sinneshärchen - ähnlich wie bei einem hochfloorigen Teppich, den man betritt. Der Teppich, also die Membran, besteht aus vielen Schichten. Das Corti-Organ ist mit der Membran verbunden. Als Bild kann man sich einen Strang vorstellen, der feine Bewegungen der Membran wahrnimmt und die Wendeltreppe durchzieht.

6.5 Das Corti Organ - Chef des Gehörsinns

Corti Organ - Chef des Gehörsinns
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Oft trägt das Organ auch die Bezeichnung Corti'sches Organ. Der Bereich gilt als Kern des Gehörsinns in der Cochlea. Obwohl der Bereich klitzeklein ist, findet sich dort ein hoch komplexes System aus Nervenfasern, Stützzellen und Hörzellen wieder.
Das Corti'sche Organ enthält folgende Elemente:
  • innere und äußere Haarzellen
  • Tektorialmembran
  • Basiliarmembran
  • Neuronen des Nervensystems
  Die äußeren Haarzellen heißen auch Cochleärer Verstärker. Die Haarzellen bilden Frequenzmuster ab und geben diese an die inneren Haarzellen weiter. Die inneren Sinneshärchen wandeln die mechanischen Reize in Nervenimpulse um. Die Umwandlung in Elektrizität passiert in den Sinneshärchen (=Transduktion). Durch Abknicken der Haarzellen verändert sich die elektrische Ladung. Danach erhält das Gehirn diese Informationen über den Hörnerv. Neuronen registrieren die feinen Impulse. Dabei geschieht die Umwandlung der Reize in Höreindrücke wie zum Beispiel Maschinenlärm, Musik oder die Stimme eines Freundes erst in der Hirnregion.

6.6 Stress im Ohr - Chaos im Kopf

Sinneszellen des Gehörs können durch laute Musik geschädigt werden - Gehörschutz hilft
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Im Innenohr entsteht Verwirrung, wenn enorm laute Signale eintreffen. In diesem Fall kommt es zu besonders starken Flüssigkeitsbewegungen. Infolgedessen agieren die Sinneszellen so intensiv, dass diese beschädigt oder sogar zerstört werden können. Betroffene leiden dann oft an Schwerhörigkeit. Das lässt sich vermeiden, indem wir in einem lauten Umfeld Gehörschutzstöpsel, wie beispielsweise Konzertgehörschutz tragen.

6.7 Nervenkitzel und Schwindelgefühl

Gleichgewichtsorgan reagiert auf Bewegungen wie eine Karussellfahrt ggf. auch mit Schwindelgefühl
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Da sich im Innenohr unser Gleichgewichtsorgan befindet, wird dieses aktiv, sobald wir uns in Bewegung setzen. Je nach Intensität der Bewegung werden die feinen Sinneszellen gereizt. Während aber besonders direkt nach einer Karussellfahrt kann uns ein Schwindelgefühl heimsuchen. Die Flüssigkeit im Gleichgewichtsorgan bewegt sich möglicherweise noch, obwohl wir schon festen Boden unter den Füßen haben. Dadurch dreht sich die Welt um uns weiter, auch wenn die Fahrt beendet ist.

7. Der Hörnerv und das Hörzentrum

Hörnerv und Hörzentrum
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Im Innenohr befinden sich Hörnerven, die sich hinter dem Gleichgewichtsorgan und der Hörschnecke zum großen Hörnerv vereinen. Der Hörnerv ist der 8. von insgesamt 12 Hirnnerven. Über den Hörnerv bewegen sich elektrische Signale und Impulse direkt zum Gehirn. Dabei kommuniziert der Nerv nicht eingleisig, sondern bipolar. Keine Sackgasse zum Gehirn, denn Hirnzentren senden auch Signale über den Hörnerv zum Innenohr.

7.1 Viel los auf den Nervenautobahnen

Gleichgewichtsner und Hörnerv vereinigen sich zum 8. Hirnnerv
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Der Nerv besteht aus dem Gleichgewichtsnerv und dem Hörnerv. Der Gleichgewichtsnerv sitzt mit vielen Verzweigungen am Gleichgewichtsorgan. Der Hörnerv ist an verschiedenen Punkten mit der Hörschnecke verbunden. Richtung Gehirn laufen Gleichgewichtsnerv und Hörnerv zusammen und vereinen den 8. Hirnnerv. Die beiden Nerven gehen im Hirnzentrum wieder getrennte Wege. Der Hörnerv transportiert die aufgenommenen und umgewandelten phonetischen Impulse zur Großhirnrinde weiter.
Erst im auditiven Cortex der Großhirnrinde nehmen wir Geräusche, Töne und Reize bewusst wahr. In diesem Bereich des Hirns werden Schallwellen in Klänge und Töne verändert. Parallel gleichen wir akustische Eindrücke immer mit gespeicherten Erfahrungen ab. Weitere Verarbeitungswege sind körperliche sowie emotionale Reaktionen auf bestimmte Signale. Dazu zählt zum Beispiel die Flucht vor lauten Geräuschen oder herzerwärmendes Kinderlachen in lustigen Momenten.

7.2 Immer in Balance bleiben

Gleichgewichtsnerv leitet Informationen zum Stammhirn
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Der Gleichgewichtsnerv leitet Informationen in den Hirnstamm, der zu den ältesten Teilen des Gehirns gehört. Im Hirnstamm verarbeiten die Vestibulariskerne die Signale weiter. Auch das Kleinhirn ist beteiligt und übernimmt einige Verarbeitungsprozesse. Gemeinsam koordinieren die Hirnareale unsere Fortbewegung und das Gleichgewicht. Im Handumdrehen werden Muskeln aktiviert, deaktiviert sowie zahlreiche Bewegungsabläufe eingeleitet.

7.3 Der Schlüssel zum Hören

Das Gehör - Wie funktioniert das Ohr
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Dank Hörnerv entschlüsselt das Gehirn die eingehenden Signale. Am Außenohr trifft der Schall auf die Ohren. Schallwellen bestehen aus Druckunterschieden und verschobenen Luftpartikeln. Durch die Schallbewegung setzen sich Flüssigkeiten im Inneren der Gehörschnecke in Bewegung. Feine Sinneshärchen ragen in diese Flüssigkeit hinein. Dadurch verändert sich die Lage der Härchen, indem sie beispielsweise umknicken. Infolgedessen ändert sich die elektrische Ladung der Sinneshärchen. So wandelt sich der mechanische Reiz in elektrische Impulse um. Das Corti-Organ, welches mit unzähligen Neuronen des Hörnervs in Verbindung steht, registriert die Ladungsänderung. Zuerst gelangen die Signale in knotenartige Ansammlungen feiner Nerven. Letzten Endes fließen Einzelinformationen in gebündelter Form über den großen Hörnerv ins Gehirn. Diese Vorgänge laufen zu jeder Tages- und Nachtzeit in Bruchteilen von Sekunden ab. Ein Hoch auf die Natur, die ohne unser Zutun solch beachtliche Leistungen vollbringt.

7.4 Auditiver Cortex - Hörzentrum in Aktion

Hörzentrum - auditiver Cortex
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Das Hörzentrum, auch auditiver Cortex oder Hörrinde genannt, sitzt in der Großhirnrinde. Der Bereich übernimmt die Aufnahme und Verarbeitung phonetischer Signale. Der auditive Cortex ist auf den Schläfenlappen des Großhirns zu finden. Als Endpunkt der Hörnervenbahnen weist das Hörzentrum ungefähr die Größe eines Daumennagels auf. Das kleine Zentrum lässt sich in den primären sowie den sekundären auditiven Cortex einteilen. Die 2 Teile verfügen über einen gemeinsamem Mittelpunkt, verlaufen also konzentrisch zueinander.
Das primäre Hörzentrum bildet sich aus 2 bis 4 Gehirnwindungen. Hier erfolgt die Verarbeitung der aufgenommenen Signale. Für die Sinnesqualität des Hörens ist der primäre auditive Cortex von wichtiger Bedeutung. Sowohl die Lautstärke als auch die Klanghöhe werden an dieser Stelle verifiziert. Dadurch können wir zum Beispiel die schrillen Signale der Polizeisirene von dumpfen Trommelgeräuschen abgrenzen.
Darauf aufbauend ist das sekundäre Hörzentrum fähig, komplexere Hörsignale aufzunehmen und zu entschlüsseln. So können Melodien, Wörter und Geräusche sinnvoll zusammengefügt werden. Des Weiteren erfolgt vom sekundären auditiven Cortex ein Abgleich mit bereits bekannten Sinneswahrnehmungen.
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Autor: Matthias Speck

Matthias ist Diplom - Betriebswirt und Bachelor of Engineering für Audiotechnik. Seit 2005 produziert und veröffentlicht er regelmäßig Musik. Er verfügt über Erfahrung als DJ und als Festival - Mitveranstalter. Dadurch kennt er die Anforderungen an wirksamen Gehörschutz auch aus der Praxis.